Die Taschenuhr

Mein Gegenüber holte tief Luft, neigte den Kopf beiseite. "Ihr mein Freund , seit hier um Zeuge von Ereignissen zu werden die sich vor langer Zeit ereignet haben, Zeuge von Namen zu werden die winzige Spuren mit grossen Ereignissen hinterlassen haben. Gehörtes niederzuschreiben die Auswirkungen haben, denen ihr euch nicht bewusst seid und um einen alten Mann zu helfen seinen Geist zu befreien um neues zu bewirken. Ihr erfahrt Grausiges, Brutales, lernt die Schatten zu sehen und Dinge zu erkennen die euer Geist neu lernen muss. Ich öffne euch Tore und die Zeit."


"Wie wollt ihr das anstellen?", fragte ich ihn verdutzt ohne ungläubig werden zu wollen. Bei seiner Offenbarung hatte man den Glauben das jener mir gegenüber Sitzender doch in diesem kurzem Satz den Anlauf nahm Verschwörungstheorien vom Stapel zulassen, die ich offenkundig geäussert mehr als satt bin, noch mehr davon zu hören. Klar hatte ich viel davon gelesen, ja sogar verschlungen und einigen bin ich nachgegangen doch am Ende stellte sich alles als Spinnerei heraus wenn man es rational betrachtete. Belege, Beweise, Untersuchungen ja sogar die Wissenschaft hatte sich einschlägig Jahrzehnte mit ihnen befasst. Alles widerlegt was je an Theorien rangekarrt wurde und nun sitze ich hier ihm gegenüber und er beginnt mit einer euphorischen beschwörenden Floskel wie jeder der Scharlatane vor ihm. Ich griff, ohne den Blick von ihm abzuwenden in meine Tasche und liess meine Uhr aufklappen.

"Ein schönes Stück habt ihr da. Ist es eure?"

"Nein Sir. Meine Oma gab sie mir als Andenken ehe sie starb. Sie hatte sie einst von einem Mann bekommen mit dem sie wohl mehr verband als ich es von ihr erfahren habe." Seine Hand glitt zur Hälfte über den Tisch.

"Zeigt sie mir."

"Ist wohl kaputt. Gerade jetzt. Wir reden ja nun schon eine Weile und doch zeigt sie mir viertel nach Neun, genau die Zeit als ich hier ankam."

Seufzend klappte ich sie zu und legte sie in seine Hand. Sie umschloss das silbrige Gehäuse nachdem er den Deckel zuschnappen liess und er hielt sie nun beobachtend vor seine Augen. Er wiegte sie hin und her, drehte sie wie eine Münze langsam um ihre Achse und liess den Deckel wieder aufschnappen. Sein Blick haftete auf dem Ziffernblatt und seine Finger glitten über die Innenseite des Deckels, was in meinen Augen keinen Sinn machte. Dort war nichts. Nur der angelaufene Schmutz den die Zeit und meine Faulheit hinterlassen hatte. Dies war mir peinlich zu beobachten und ich forderte sie zurück.

"Sie zeigt euch die Wahrheit. Ein Zeugnis der Zeit mein neuer Freund. Eine Uhr die Geschichte inne trägt. Ein geschmücktes Gefängnis will ich behaupten."

Der Deckel schnappte zu und seine Finger glitten über die Rückseite meiner Uhr bis er sie an sein Ohr hielt und ein amüsiertes Schnaufen hinter seiner Maske erklang.

"Sie ist redselig.", sprach er und gab sie mir zurück.

"Kaputt ist sie, sie steht still.", antwortete ich und nahm sie vom Tisch auf dem er sie gelegt hatte. Die Tasche wartet und ich ärgerte mich immer noch das sie ihren Dienst gerade jetzt versagte als er sich vorbeugte.

"Sicher? Schaut nochmal genauer hin und hört zu." Die Uhr in meiner Hand nun betrachtend wie all die Jahre zuvor erschrak ich. Die feinen Linien die ein abstruses Muster auf dem Gehäuse bildeten hatten sich verändert. Einige von ihnen leuchteten bläulich Schwach auf und zeigten mir einen vollen Kreis in dessen Inneren sich ein halbgeöffnetes Dreieck abbildeten. All die Jahre hatte ich sie nie gesehen.

"Öffnet den Deckel!", befahl er. Das Klacken des geöffneten Deckels liess mein Erschrecken noch stärker werden den dort wo zuvor der Schmutz gewesen war, erkannte ich seltsame Zeichen.

"Wie ist das möglich?"

"Wie kann alles möglich sein das wir vorher nicht sehen wollten oder konnten? Alles Vertraute sich plötzlich in Frage stellen woran man zuvor glaubte zu wissen. Kleine Dinge die sich verändern werden plötzlich zu Grossem und man beginnt zu zweifeln. Das ist gut, denn es bedeutet das mein sein geistiges Auge für Neues öffnet und manchmal braucht man nur einen kleinen Schubs." Er zwinkerte mir zu während ich in den Deckel und auf die Zeichen starrte die bläulich schimmerten.

War es eine Schrift oder doch nur Kratzer? Mir schien das eine unglaubliche Wärme von dieser Uhr aus ging.

"Hört hin." , nahm ich seine Stimme wahr und folgend hielt ich diese Kleine Uhr an mein Ohr. Sie summte und es schwoll in meinem Kopf lauter werdend an. Ich vernahm ein Ticken das stärker wurde und sich in mir ausbreitete. Ein kräftiger Takt wurde daraus und der Raum um mich veränderte sich. Er wurde immer heller bis sein Leuchten mich blendete. Mir wurde schwindelig, alles begann sich zu drehen bis ich plötzlich auf einem Punkt verharrte. Das gleissend helle Licht ebbte ab und schemenhaft erkannte ich eine Gestalt die sich auf mich zubewegte. Panik kam in mir auf und ich wollte die Uhr in meiner Hand wegwerfen doch sie war verschwunden. Nur ihr starkes Ticken war zu hören und die Gestalt kam immer näher. Sie streckte ihre Hand nach mir aus. Ich wollte schreien, ja sogar wegrennen doch ich stand still. Mein Körper gehorchte mir nicht. Der Schemen wurde klarer, seine Umrisse bekamen Kontur. Es war eine Frau die auf mich zukam. Eine ungemein hübsche Person angesichts dieser Situation. Ihr Gesicht hatte die Farbe von weissen Marmor und ihre Langen blonden Haare glitten streichelnd über ihren Körper der nur von einem langen weissen Kleid bedeckt war. Sie stand nun vor mir und ich blickte immer noch erstarrt in ihre klaren blauen Augen. Sie lächelte und meine Angst fiel ab während ich sie anstarrte. Die Wärme stieg zu einem brennen an. Sie neigte den Kopf und ihre Hand strich über meine Stirn hinunter zu meinen Wangen auf denen sie nun ruhte. Mir war das peinlich. "Immer noch so ernst. Wo ist dein Lächeln geblieben. Das Lächeln des kleinen Jungen das ich so liebte. Der kleine Junge der die Welt so neugierig entdeckt und aufgesogen hat?" In mir kam ein Schaudern auf. Das konnte nicht sein. "Doch es ist wahr. All die Jahre war ich bei dir. Nie habe ich dich vergessen." Ich wollte zurück weichen doch sie griff nach meinen Händen. "Höre zu mein kleiner Junge und werde wieder der, ehe ich dich verliess. Ich bin bei Dir. Hab keine Angst!" Ihr Gesicht kam nah an das meine und sie küsste meine Stirn. Der Raum begann sich zu drehen , das Licht blendete mich und als ich wieder zu mir kam sah ich in das Gesicht jenes Mannes hinter der Halbmaske.

Sein Butler stand neben mir und schenkte mir einen weiteren Tee ein. Ich hielt die Uhr immer noch an mein Ohr und liess meine Hand mit ihr niedersinken. Mein Körper zitterte und ich blickte mich verwirrt um. Fragen über das gerade erlebte trugen mich schwer als seine Stimme ertönte:" Nie allein."

Ich zuckte zusammen. "Was sagt ihr da?"

"Nie allein. Das steht im Deckel der Uhr. Eine Botschaft in einer sehr alten Schrift, die heute niemand mehr kennt. Älter als jede heutige bekannte Art der Kommunikation. Eure Uhr hat Geheimnisse. Achtet gut auf sie." Seinen Worten folgend umschlossen meine Hände die Taschenuhr, immer noch verwirrt über das gerade erlebte und sie wanderte zurück in meine Tasche. Hatte ich geträumt?

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